31. Januar 2024OWL-Handwerk im Dialog

Das Handwerk braucht starke Schulen in NRW

Zur Diskussionsveranstaltung »Handwerk braucht starke Schulen in NRW« kamen knapp 100 Gäste aus dem Handwerk und dem Bildungswesen im Campus Handwerk in Bielefeld zusammen. Auf dem Podium der Diskussion, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Handwerk OWL im Dialog« stattfand, stellten Dorothee Feller, Ministerin für Schule und Bildung des Landes NRW, Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Kammer-Geschäftsführer Carl-Christian Goll sowie Daniel Westermann, Geschäftsführer der Winfried Wixforth GmbH & Co. KG, ihre Ideen zur Stärkung der Bildung vor. »Einsatz für die Bildung ist Einsatz für die Demokratie«, erklärte Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL, in seiner Begrüßung und forderte kollektive Anstrengungen aller am Bildungsprozess Beteiligten, um das Bildungssystem voranzubringen.

»Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Gestalter unserer Welt von morgen«, so der Kammerpräsident. Im Bildungssystem müsse nicht nur ausgebildet, sondern auch Begeisterung dafür geweckt werden, die Zukunft aktiv zu gestalten. Schulministerin Feller wies darauf hin, dass es im letzten Jahr wieder mehr Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger als Studienbeginnerinnen und -beginner gegeben habe. Grund dafür sei auch das konsequente Hinweisen auf die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Um die Schülerinnen und Schüler besser auf das Berufsleben vorzubereiten, setzt sie auf eine konsequente Förderung des Basiswissens Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie versprach, die Berufsorientierung in den Schulen weiter zu verstärken und appellierte, bestehende Instrumente wie die Potenzialanalyse für den Berufsfindungsprozess intensiver zu nutzen.

Carl-Christian Goll, Geschäftsführer Berufsbildung der Handwerkskammer, warb für mehr Praxisorientierung beim Vermitteln der Lehrstoffe. Im Mathematikunterricht könnten beispielsweise bei der Flächenberechnung Bezüge zum Maurerhandwerk hergestellt werden. Als Erfolgsmodell wertete er den Einsatz der Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter, das sind Auszubildende, die in Schulen über ihre Ausbildung berichten. Die lokalen Handwerksorganisationen, das sind die Innungen, die Kreishandwerkerschaften und die Handwerkskammer, täten alles, um die jungen Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Schelte auf die Generation Z lässt er nicht gelten. »Die wollen etwas bewegen, etwas Sinnvolles tun, da bietet das Handwerk wunderbare Möglichkeiten«, so Goll.

Von seinem Weg ins Handwerk berichtet der Jungunternehmer Daniel Westermann. Auf dem Gymnasium habe er zunächst »keinen Plan für die Zukunft entwickeln können«. Erst ein Praktikum im Unternehmen Wixforth, einem Fachbetrieb für Heizungs- und Sanitärtechnik in Gütersloh, das er jetzt als Geschäftsführer leitet, habe ihm die Richtung vorgegeben. Westermann war der erste Ausbildungsbotschafter der Handwerkskammer, Einsätze in Gymnasien habe es allerdings nicht gegeben. »Öffnen Sie uns auch dort die Türen«, lauteten Appelle aus dem Publikum an die Ministerin gerichtet. Eine konsequente Modernisierung des Schulwesens fordert Dilek Engin, die viele Jahre als Oberstudienrätin tätig war. Dafür müssten ihrer Meinung nach die Lehrpläne an die heutigen Anforderungen angepasst werden. Die Berufsorientierung müsse verstärkt werden, so die Politikerin, die auf die vielen arbeitslosen Jugendlichen hinwies, die auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden. Engin möchte die Zusammenarbeit von Betrieben und Schulen weiter verstärken.