Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld
Gäste und Gesprächspartner der Jubiläumsfeier zum 150-jährigen Bestehen der Fleischer-Innung Bielefeld (v. l.): Philipp Ehlert, Geschäftsführer der Gustav Ehlert GmbH & Co. KG, Bielefelds Erster Bürgermeister Frank Strothmann, Handwerkskammerpräsident Peter Eul, Obermeister Lennart Hermstein, Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer, Fleischer-Weltmeister Dirk Freyberger, Innungsgeschäftsführerin Melanie Busch und Landtagsabgeordneter Tom Brüntrup. Bild: Hirschmeier-Media / Fleischer-Innung Bielefeld.

15. September 2025150 Jahre Fleischer-Innung Bielefeld: Gutes Handwerk und starker Zusammenhalt bleiben

150 Jahre Fleischer-Innung Bielefeld: Mit mehr als 100 geladenen Gästen aus Handwerk, Politik, Verbänden und Wirtschaft hat die Innung in der Villa Mediterrané in Brackwede ihr besonderes Jubiläum gefeiert. Der Festabend machte deutlich, wie stark sich das Fleischerhandwerk in eineinhalb Jahrhunderten verändert hat – und was geblieben ist: handwerklicher Anspruch, Eigenverantwortung und der Zusammenhalt der Betriebe.

„Tradition bedeutet für uns nicht, stehen zu bleiben. Es geht darum, das Gute zu bewahren und trotzdem mit der Zeit zu gehen“, betonte Obermeister Lennart Hermstein. Gemeinsam mit den Gästen blickte die Innung deshalb nicht nur zurück, sondern diskutierte in zwei Gesprächsrunden auch darüber, wie sich das Fleischerhandwerk unter veränderten Rahmenbedingungen weiterentwickeln kann.

Zu den Gästen und Gesprächspartnern gehörten unter anderem Bielefelds Erster Bürgermeister Frank Strothmann, Handwerkskammerpräsident Peter Eul, Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer, Landtagsabgeordneter Tom Brüntrup sowie Philipp Ehlert, Geschäftsführer des Verler Unternehmens Gustav Ehlert. Eigens aus Nürnberg angereist war Fleischer-Weltmeister Dirk Freyberger. Durch den Abend führte Timo Teichler von Radio Bielefeld.

Eine besondere Geschichte des Bielefelder Handwerks

Die Wurzeln der Innung reichen bis ins Jahr 1876 zurück, als sich Bielefelder Fleischer zur „Vereinigung der Fleischer zu Bielefeld“ zusammenschlossen. Schon wenige Jahre später zeigte sich, wie ernst die Handwerker den Gedanken der Selbstorganisation nahmen: Sie planten einen eigenen Schlachthof. 1882 entstand daraus offiziell die Fleischer-Innung zu Bielefeld, 1884 nahm der von den Innungsmitgliedern getragene Schlachthof am damaligen Herforder Weg seinen Betrieb auf.

Die Mitglieder übernahmen dabei selbst finanzielle Verantwortung und hafteten persönlich mit ihrem Vermögen. Dass ein öffentlicher Schlachthof in einer deutschen Großstadt vom Handwerk selbst getragen und betrieben wurde, war eine Besonderheit. Bis heute steht dieses Kapitel der Innungsgeschichte sinnbildlich für den Anspruch, Herausforderungen gemeinsam anzupacken.

Auch Handwerkskammerpräsident Peter Eul und Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer machten beim Blick zurück deutlich, wie eng das Fleischerhandwerk mit persönlichen Erinnerungen, Genuss und der Geschichte der Stadt verbunden ist. Erster Bürgermeister Frank Strothmann hob zudem die Bedeutung inhabergeführter Fleischereien als Orte der Begegnung und als Bestandteil lebendiger Stadtteile hervor.

Tradition und neue Wege

Wie sich das Fleischerhandwerk weiterentwickeln kann, stand im Mittelpunkt der zweiten Gesprächsrunde. Fleischer-Weltmeister Dirk Freyberger berichtete beispielsweise von seinem KI-gestützten 24-Stunden-Laden in Nürnberg. Dieser solle das klassische Fachgeschäft nicht ersetzen, sondern das Angebot ergänzen und handwerkliche Produkte auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten verfügbar machen.

Auch die Bielefelder Innungsbetriebe setzen heute auf unterschiedliche Profile. Neben dem klassischen Ladengeschäft gehören besondere Fleisch- und Wurstspezialitäten, Cateringangebote und neue Vertriebswege dazu. Gemeinsam bleibt ihnen der handwerkliche Anspruch mit guten Rohstoffen, Fachwissen, sorgfältiger Verarbeitung und persönlicher Verantwortung für das eigene Produkt.

Spenden statt Geschenke

Den Gemeinschaftsgedanken verband die Innung beim Jubiläum zugleich mit einer Spendenaktion. Befreundete Innungen waren im Vorfeld gebeten worden, anstelle von Geschenken für die Aktion Lichtblicke zu spenden, die Kinder und Familien unterstützt, die unverschuldet in Not geraten sind.

Viele Innungen beteiligten sich mit jeweils 150 Euro – passend zum Jubiläum. Auch während des Festabends wurde gesammelt. Die Fleischer-Innung Bielefeld kündigte an, die zusammengekommene Summe anschließend selbst noch einmal um 1.500 Euro aufzustocken.

„Das ist eine schöne Art, unseren 150. Geburtstag zu feiern: gemeinsam, regional verwurzelt und mit einem Lichtblick für Menschen, die Unterstützung brauchen“, sagte Innungsgeschäftsführerin Melanie Busch.

Zum Jubiläum hat die Innung außerdem das Buch „Rezepte, Handwerk, Heimat – 150 Jahre Fleischer-Innung Bielefeld“ herausgebracht. Darin verbinden sich die Geschichte des Berufsstandes und persönliche Hausrezepte der Mitgliedsbetriebe mit dem Fleischerhandwerk von heute.

Der Jubiläumsabend endete bei Musik, Gesprächen und einem Ochsen am Spieß. Nach 150 Jahren hat sich die Fleischer-Innung Bielefeld in vieler Hinsicht verändert. Ihr Grundgedanke ist derselbe geblieben: selbstständige Handwerksbetriebe, die ihre eigenen Wege gehen – und sich zugleich gemeinsam für ihr Handwerk einsetzen.