Lena Rodenjohannshenrich (v. l.), Kathleen Ebbinghaus, Theresa Schiermeier und Sandra Hunke, auf der Baustelle der Baumädchenvilla in Schlangen.
27. Oktober 2026Auf dieser Baustelle arbeiten nur Handwerkerinnen
In Schlangen erfüllt sich Handwerkerin, Autorin und Model Sandra Hunke einen Traum: Im Lipperland entsteht die Baumädchenvilla. Das Besondere an diesem Projekt? Auf der Baustelle arbeiten nur Frauen.
Vor einigen Jahren gab Hunkes Vater der Handwerkerin einen alten Zettel aus Kindertagen zurück. Darauf hatte die Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik den Wunsch festgehalten, eines Tages ein Haus ausschließlich mit Frauen zu bauen. Der Vater ist Fliesen-, Platten- und Mosaikleger und weckte bei seiner Tochter die Begeisterung für das Handwerk. „Mit den Händen zu arbeiten, macht mir unfassbar viel Spaß“, erzählt sie. Von ihrer Mutter bekam die Lipperin den Kosenamen: Baumädchen. Heute trägt ihr als Kind erträumtes Bauprojekt diesen Namen.
Während ihrer Schwangerschaft vor rund drei Jahren erwarb Hunke das Baugrundstück mit Bestandsgebäude in Schlangen bei Paderborn. Nachdem schnell klar war, dass eine Sanierung nicht rentabel war, entschied sie sich für einen Abriss. „Begonnen haben wir beim Abriss mit zwei Handwerkerinnen, einem Bagger und mir“, schmunzelt die Anlagenmechanikerin. In diesem Jahr fiel der Startschuss für die Neubauarbeiten zur Baumädchenvilla. Die 34-Jährige erhält dabei tatkräftige Unterstützung von Handwerkerinnen aus unterschiedlichsten Gewerken. Aktuell kümmern sich fünf Mitarbeiterinnen der Firma Hauphoff aus Verl um das Mauerwerk. Die ersten Wände stehen bereits und der Rohbau nimmt langsam Gestalt an. „Bei der Arbeit herrscht stets gute Stimmung“, erklärt Hunke mit Blick auf das Team.
Von Nachbarn und Anwohnern gebe es durchweg positive Reaktionen auf die Frauenbaustelle. Hunke hat rund 370.000 Follower auf Instagram und damit eine große Reichweite. Auch dort erhält sie viele positive Nachrichten – auch von Männern. „Natürlich gibt es auch immer wieder Männer, die Frauen nicht auf der Baustelle, sondern hinter dem Herd sehen wollen“, konstatiert sie. „Genau denen zeigen wir, dass Frauen viel mehr können als manche noch immer glauben.“
Mit dem Projekt möchte Hunke daher weibliche Vorbilder im Handwerk sichtbarer machen. Gleichzeitig wirbt die Lipperin damit für das Handwerk und will Nachwuchs gewinnen. Das Bauvorhaben hat inzwischen auch überregional Aufmerksamkeit erregt. Neben den Medien interessiert sich auch die Bundespolitik für die Frauenbaustelle. Bundesbauministerin Verena Hubertz machte sich im Lipperland kürzlich selbst ein Bild von der Arbeit der Handwerkerinnen und war begeistert.
Ende 2028 soll die Baumädchenvilla fertiggestellt werden. Das Wohnhaus wird sechs Mietwohnungen umfassen. Eines stellt Hunke klar: „Diese Baustelle ist kein Männerhass-Projekt.“ Männer seien hier jederzeit willkommen. Mit anpacken dürfen auf dieser Baustelle allerdings nur Frauen, schließlich war genau das der Kinderwunsch, den sich Hunke nun selbst erfüllt.