Bjoern Hering (von links), Live-Hacker bei netzsicher GmbH, Markus Tomanek, Digitalexperte der Kriminalpolizei Bielefeld, Christoph Krause, KI-Experte und Digitalstratege beim Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk, Marcus Brans, Managing Partner der Gauly Advisors GmbH, Julia Ures, Moderatorin, Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL sowie Kai Lütcke, Spezialist für Cyber-Risiken bei der Signal Iduna
09. Februar 2026Cyberkriminalität mit Prävention begegnen
Cyberkriminalität ist längst kein Randthema mehr, auch nicht im Handwerk. Wie sich kleine und mittlere Betriebe wirksam gegen digitale Angriffe schützen können, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Handwerk OWL im Dialog: Cybersecurity im Handwerk“, die am 5. Februar 2026 im Campus Handwerk stattfand. Vertreter aus Wirtschaft, Sicherheitsbehörden und Handwerksorganisationen machten deutlich: Die Bedrohungslage ist ernst, Prävention unverzichtbar.
Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, startete zu Beginn mit der zentralen Botschaft des Abends: „Auch Handwerksbetriebe sind zunehmend Ziel professionell organisierter Cyberangriffe. Es ist aber nicht schwer, den eigenen Betrieb auf solche Angriffe vorzubereiten, um das Schlimmste zu verhindern.“ Im Jahr 2024 verursachte Cyberkriminalität einen Schaden von rund 266 Milliarden Euro. Rund 92 Prozent aller Angriffe begannen dabei mit einer E-Mail, häufig durch täuschend echt gestaltete Phishing- oder Social-Engineering-Methoden. „Menschen werden von den Angreifern gezielt manipuliert und als Einstiegspunkt eines mehrstufigen Systemangriffs ausgenutzt“, waren sich die Experten in der anschließenden Podiumsdiskussion einig.
An dieser waren neben dem Hauptgeschäftsführer der Kammer Bjoern Hering, Live-Hacker bei netzsicher GmbH, Markus Tomanek, Digitalexperte der Kriminalpolizei Bielefeld, Marcus Brans, Managing Partner der Gauly Advisors GmbH, Christoph Krause, KI-Experte und Digitalstratege beim Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk, sowie Kai Lütcke, Spezialist für Cyber-Risiken bei der Signal Iduna, beteiligt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Julia Ures.
Besonders alarmierend: 98 Prozent der Handwerksbetriebe gelten derzeit als nicht ausreichend gegen Cyberangriffe geschützt. Gerade kleine und mittlere Betriebe würden von Angreifern häufig als Einfallstor genutzt, um Zugang zu größeren Unternehmen oder Konzernen zu erlangen. Organisierte Cyberangriffe seien dabei gut vorbereitet, häufig staatlich finanziert und verliefen über mehrere Tage. Öffentlich einsehbare Informationen dienten den Angreifern als Grundlage für gezielte Attacken.
Die Diskussion machte deutlich: niemand ist vor Cyberkriminalität sicher. Dass es in Deutschland bisher nur wenige öffentlichkeitswirksame Cyberangriffe gab, läge zum einen an der hohen Dunkelziffer und zum anderen an der Sprachbarriere. Denn in der Vergangenheit hätten die häufig im Ausland sitzenden Täter gar nicht genau gewusst, was für Daten sie erbeutet haben. Mit Künstlicher Intelligenz ist diese Zeit jedoch vorbei.
Prävention statt Angst
Trotz aller Warnungen, Angst wollte keiner der Experten schüren. Viel wichtiger sei es, die Ausgangslage anzuerkennen und die richtigen Vorkehrungen für den Ernstfall zu treffen.
Technische Schutzmaßnahmen sind nur ein Teil dieser Prävention. Neben sicheren Passwörtern seien auch Zwei-Faktor-Authentifizierungen, klare Prozesse, Sensibilisierung der Mitarbeitenden und die Reduzierung komplexer IT-Strukturen entscheidend. Weniger, aber dafür gut geschützte Systeme verringern die Angriffsfläche erheblich, lautete eine Erkenntnis des Abends.
Ein weiteres wichtiges Fazit: Cyberangriffe sind kein persönliches Versagen. Angesichts von weltweit mehr als 40.000 registrierten Angriffen innerhalb von 60 Sekunden treffe es jeden Betrieb irgendwann einmal. Entscheidend sei nicht, ob ein Angriff erfolgt, sondern wie gut ein Betrieb darauf vorbereitet ist. Erfüllten Unternehmen grundlegende Sicherheitsstandards, bestehe kein Anlass für Imageschäden oder Schuldzuweisungen.
„Die Betriebsberatung der Handwerkskammer OWL unterstützt Betriebe aktiv beim Aufbau und der Weiterentwicklung ihrer individuellen Cybersecurity-Strategie“, sagt Dr. Jens Prager. „Ich kann nur empfehlen: Nutzen Sie das Angebot.“ Denn Cybersicherheit sei kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess, der betriebe dauerhaft begleitet.
Weitere Informationen zum Thema Cybersecurity im Handwerk sowie zu Beratungsangeboten finden Interessierte auf der Website der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe unter handwerk-owl.de.