Bei der Preisverleihung überreicht Ministerpräsident Hendrik Wüst die Preise und Urkunden.
26. Oktober 2026Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege
Zwei Baudenkmäler in Ostwestfalen-Lippe sind beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2026 in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. Die Alte Rentei auf Gut Holzhausen in Nieheim erhielt den ersten Preis, das Mausoleum Schuchard in Warburg-Calenberg wurde mit einem zweiten Preis gewürdigt. Die Preisverleihung fand am 13. Oktober in Düsseldorf statt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst überreichte die Auszeichnungen an die privaten Denkmaleigentümer und würdigte damit zugleich die Leistungen der beteiligten Handwerksbetriebe.
Der Bundespreis wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks vergeben. Er zeichnet beispielhafte Restaurierungsleistungen aus und macht deutlich, welche Bedeutung qualifiziertes Handwerk für den Erhalt historischer Bausubstanz hat.
Erster Preis für die Alte Rentei in Nieheim
Die Alte Rentei auf Gut Holzhausen in Nieheim wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet, der mit 8.000 Euro dotiert ist. Die Anlage befindet sich seit mehr als 550 Jahren im Besitz der Familie von der Borch. Sie setzt sich für die kontinuierliche Instandhaltung und den Erhalt des historischen Gutshofs ein. Die Restaurierung der Alten Rentei erfolgte in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und unter Begleitung eines erfahrenen Architekten. Durch den Einsatz spezialisierter Handwerksbetriebe sowie traditioneller Baumaterialien und historischer Techniken konnte die Bausubstanz bewahrt und das Gebäude zugleich einer zeitgemäßen Nutzung zugeführt werden. Die Jury würdigte damit das Zusammenspiel aus denkmalgerechter Sanierung, handwerklicher Qualität und verantwortungsvollem Umgang mit dem historischen Erbe.
An den Arbeiten waren folgende Handwerksbetriebe beteiligt:
Zimmererhandwerk: Dirk Marx, Beverungen
Dachdeckerhandwerk: Josef Müller Bedachungen, Nieheim
Stuckateurhandwerk: Mathies, Bad Driburg
Tischlerhandwerk: Tischlerei Lüke, Beverungen
Elektrotechnikerhandwerk: Kruschel GmbH, Nieheim
Zweiter Preis für das Mausoleum Schuchard in Warburg-Calenberg
Einen zweiten Preis in Höhe von 5.000 Euro erhielt das Mausoleum Schuchard in Warburg-Calenberg. Das im Jahr 1892 errichtete Bauwerk war stark geschädigt und stellte aufgrund seiner Hanglage besondere Anforderungen an die Instandsetzung. Eigentümer Hans-Hugo Schuchard stellte sich der Aufgabe, das ungewöhnliche Denkmal trotz fehlender aktueller Nutzungsperspektive zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.
Mit Unterstützung des Architekten, der Denkmalpflege und erfahrener Handwerker wurde das Mausoleum umfassend restauriert. Dabei kamen sowohl historische Verfahren als auch moderne technische Lösungen zum Einsatz. Die Arbeiten zeigen, wie sich auch anspruchsvolle und außergewöhnliche Denkmäler durch fachgerechte Planung und hohe handwerkliche Qualität dauerhaft bewahren lassen.
An der Restaurierung waren folgende Handwerksbetriebe beteiligt:
Stuckateurhandwerk: Mathies, Bad Driburg
Klempnerhandwerk: Fritz u. Tobias Rolff Bedachungen, Beverungen-Amelunxen
Klempnerhandwerk: Prange Klempnertechnik, Brilon
Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk: ars colendi, Paderborn
Metallbauerhandwerk: Koch & Möller Blitzableiterbau, Kassel
Handwerk als Schlüssel zum Erhalt des kulturellen Erbes
Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege wird seit 1994 jährlich in zwei Bundesländern ausgeschrieben. 2026 sind Nordrhein-Westfalen und Bremen an der Reihe. In Nordrhein-Westfalen stehen für die ausgezeichneten privaten Denkmaleigentümer insgesamt 30.000 Euro zur Verfügung. Die beteiligten Handwerksbetriebe erhalten Ehrenurkunden. Mit der Auszeichnung sollen Eigentümer ermutigt werden, historische Gebäude gemeinsam mit qualifizierten Fachbetrieben zu erhalten. Zugleich unterstreicht der Preis die Bedeutung traditioneller Handwerkstechniken, fundierter Materialkenntnisse und spezialisierter Fachkräfte für die Denkmalpflege. Auch wirtschaftlich ist die Restaurierung historischer Bausubstanz ein bedeutendes Tätigkeitsfeld. Mehr als 80 Gewerke erwirtschaften in diesem Bereich jährlich rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wächst. Damit bietet die Denkmalpflege vielfältige berufliche Perspektiven – von der handwerklichen Ausbildung bis zur spezialisierten Fortbildung zum Master Professional für Restaurierung im Handwerk.