Ragna Köstner (v. l.), stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der HWK OWL, Stefanie Kiebel, von der Signal Iduna, Ivonne Rögge, Tischlermeisterin der Tischlerei Ungehobelt, Miriam Welz, Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld, Claudia Sefrin, Keynote-Speakerin und Motivationstrainerin, Eva-Lotte Palsbröker, Vorstandsmitglied der HWK OWL, Gabriele Greven, Tischlermeisterin der Tischlerei Ungehobelt, Margherita Laura Santamaria, Arminia-Spielerin
6. November 2026FrauenForum im OWL-Handwerk
Innenarchitektin und Tischlerin Gabriele Greven gründete im Jahr 1994 eine Tischlerei, in der auch rund 30 Jahre später ausschließlich Frauen arbeiten. Beim FrauenForum im Campus Handwerk erzählte sie von ihrem besonderen Betriebskonzept. Unter dem Motto „Führen mit Kompetenz statt Klischees: Erfolgreiche Leadership-Strategien für Handwerkerinnen“ tauschten sich rund 60 Frauen im Handwerk über Führungserwartungen und -erfahrungen aus.
Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen von Eva-Lotte Palsbröker, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, Dachdeckermeisterin und selbst Betriebsinhaberin. Sie brachte das zentrale Anliegen vieler Frauen im Handwerk auf den Punkt: „Wir wollen akzeptiert und nicht hofiert werden. Wir wollen Handwerkerinnen sein“, sagte die 33-Jährige. Neben der Begrüßung durch die Handwerkskammer richtete auch Miriam Welz, Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld, ein persönliches Grußwort an die Teilnehmerinnen des FrauenForums im Campus Handwerk.
Zudem beleuchtete Keynote-Speakerin und Motivationstrainerin Claudia Sefrin in ihrem Impuls das Führungsverständnis jenseits klassischer Rollenklischees und zeigte den Teilnehmerinnen Praxisansätze für ihren Führungsalltag.
Beim anschließenden Podiumstalk gab Greven Einblicke in ihren Betrieb „Ungehobelt – Die Tischlerei“ in Lemgo. „Für mich fühlt es sich nach rund 30 Jahren nicht mehr besonders an, nur mit Frauen zu arbeiten“, erzählte die Handwerkerin. Bei der Gründung habe sie sich ein starkes Miteinander und weniger Konkurrenzdenken im Team gewünscht. Ihr Betriebskonzept erweist sich auch wirtschaftlich als Vorteil. „Wir erhalten regelmäßig Aufträge aus ganz Deutschland, gerade weil nur Frauen in unserem Betrieb arbeiten“, erklärte Greven.
Ragna Köstner, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld und Moderatorin des Abends, würdigte Grevens Arbeit: „Menschen wie Gabriele Greven sind Vorbilder für junge Frauen.“ Zudem habe die Tischlerin einen geschützten Raum geschaffen, in dem Handwerkerinnen ihre Fähigkeiten selbstbewusst entfalten könnten, so Köstner weiter. Und die Erfolgsgeschichte wird fortgeschrieben: Greven wird ihren Betrieb in den kommenden Jahren an ihre langjährige Mitarbeiterin und Tischlermeisterin Ivonne Rögge übergeben, die auch auf dem Podium vom Übergabeprozess berichtete.
Greven und Rögge diskutierten gemeinsam mit Palsbröker, Sefrin und Arminia-Spielerin Margherita Laura Santamaria über Führung. Alle Teilnehmerinnen machten darauf aufmerksam, dass es um ein neues Miteinander auf Augenhöhe sowohl im Handwerk wie auch in der Gesamtgesellschaft ginge.
Auch der Einsatz gegen die Diskriminierung von Frauen gehört zu den wichtigen Themen des Abends: „Kein Platz für Benachteiligung von Frauen und Mädchen im Handwerk!“ Diese Botschaft ist auf einer orangefarbenen Bank zu lesen, die noch bis zum 27. November im Foyer des Campus Handwerk steht. Anlässlich des Internationalen Tags zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen, dem Orange Day, gestaltete der Soroptimistinnen Club Bielefeld gemeinsam mit dem Maler- und Handwerksbildungszentrum in Bielefeld dieses besondere Zeichen.
Das nächste FrauenForum findet am 8. März 2027 ab 18.00 Uhr anlässlich des Weltfrauentags im Campus Handwerk statt. Im Mittelpunkt stehen die Themen Betriebsnachfolge und Unternehmensgründung.