Thomas F. Starke
Moderatorin Julia Ures (v .l.), Carl-Christian Goll, Geschäftsführer Berufsbildung der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, Dr. Rebecca Wagner, Referatsleitung EA 1, Grundsatz Ehrenamt / Zentralstelle BFD, Technisches Hilfswerk, Brigadegeneral Stefan Weber, Vizepräsident des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, Dr. Wiebke Esdar, Bundestagsabgeordnete und Stellvertretende Fraktionsvorsitzende des SPD und Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld

18. September 2026Gemeinsam für Sicherheit und Resilienz

Die Handwerkskammer OWL zu Bielefeld setzt sich für eine dauerhafte Umsetzung des Pilotprojekts Freiwilliges HandwerksjahrPLUS (FHJ+) ein. Wie ein Freiwilliges Handwerksjahr in Zeiten des Fachkräftemangels einen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur gesamtgesellschaftlichen Resilienz leisten kann, war das zentrale Thema der Veranstaltung „Handwerk OWL im Dialog – Brücken bauen: Wehrdienst, Handwerk und die Zukunft der Fachkräfte“. Unter diesem Motto brachte die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Katastrophenschutz, Bundeswehr und Handwerk zusammen.

Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass es darum geht, gemeinsame Lösungen und mögliche Kooperationsformen im Werben, um die besten Fachkräfte zu finden: „Die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wir nicht im Gegeneinander, sondern nur miteinander.“ Der Präsident nannte hybride Angriffe auf die Infrastruktur oder Extremwetterlagen als Beispiele für zunehmende Bedrohungen. Umso wichtiger sei es, das Handwerk bei der Planung für die Beantwortung zentraler Sicherheitsfragen hinzuzuziehen: „Dieses Land braucht Handwerkerinnen und Handwerker, die die kritische Infrastruktur instand halten und im Katastrophenfall jeden Handgriff kennen.“

Die Podiumsgäste waren sich einig, dass Deutschland vor großen Herausforderungen steht. Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Wiebke Esdar, Brigadegeneral Stefan Weber, Dr. Rebecca Wagner vom Technischen Hilfswerk und Carl-Christian Goll, Geschäftsführer Berufsbildung der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld, besprachen auch den großen Fachkräftebedarf, um die Zukunft Deutschlands sicher zu gestalten.

Gemeinsam für qualifizierte Fachkräfte

Für die Handwerkskammer OWL ist die Fachkräftesicherung ein zentrales Thema auf ihrer Agenda. Verschiedene Projekte und Instrumente sollen junge Menschen für eine handwerkliche Berufsausbildung begeistern. Ähnlich wie das Handwerk sind auch das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr auf mehr Nachwuchs angewiesen. Doch wie alle Teilnehmenden bei der Podiumsdiskussion betonten, standen im Campus Handwerk die Kooperationsmöglichkeiten im Mittelpunkt, nicht der vermeintlich zu erwartende Konkurrenzgedanke der Akteure. Der Präsident hatte den Leitgedanken „Gemeinsam statt gegeneinander” bereits in seiner Begrüßung vorgegeben.

Neue Möglichkeiten der Berufsorientierung

Einigkeit bestand auch bei dem Vorhaben, die Angebote zur Berufsorientierung für junge Menschen weiterzuentwickeln. Die Handwerkskammer OWL hat dafür im vergangenen Jahr das Pilotprojekt Freiwilliges HandwerksjahrPLUS gestartet. Junge Menschen können in einem Jahr bis zu vier Berufe im Handwerk ausprobieren. Das PLUS steht für weiterführende Workshops. Carl-Christian Goll verdeutlichte: „Es braucht konkrete politische Maßnahmen für eine dauerhafte Umsetzung.“ Die Bundesregierung vereinbarte bereits in ihrem Koalitionsvertrag eine mögliche Implementierung eines Freiwilligendienstes Bevölkerungsschutz. Hier könnte durch Kooperationen mit Akteuren aus dem Katastrophenschutz eine neue Form des Freiwilligendienstes entstehen.

Das Technische Hilfswerk bietet bereits eine Vielzahl von Bundesfreiwilligendiensten an und zeigte sich während der Diskussionsrunde aufgeschlossen für die Zusammenarbeit. Auch die Bundeswehr setzt auf Kooperation. Mit Blick auf eine mögliche Rückkehr zur Wehrpflicht wurde in der Diskussion betont, dass dem neuen freiwilligen Wehrdienst mehr Zeit eingeräumt werden müsse.

Die Freiwilligen im Fokus

Ein wichtiges Thema waren die jungen Menschen selbst. Die Podiumsgäste waren sich einig, dass die Freiwilligendienste einen Mehrwert für die Freiwilligen und ihre Persönlichkeitsentwicklung bieten. Damit eine Teilnahme für alle Interessierten möglich ist, braucht es jedoch passende Rahmenbedingungen – von einer fairen Vergütung bis hin zu flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten der Freiwilligendienste.

Dafür müssen bestehende Angebote weiterentwickelt und für junge Erwachsene attraktiv gestaltet werden. Gleichzeitig braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, damit das FHJ+ dauerhaft etabliert werden kann. Das FHJ+ wird gefördert als JOBvision-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.