Dr. Jens Prager (links), Hauptgeschäftsführer der HWK OWL, und Peter Eul (rechts), Präsident der HWK OWL, berichten von einem stagnierenden Geschäftsklima im Handwerk OWL. Michael Stelbrink (2. von links) und Dorothea Füllkrug-Seliger (2. von rechts) berichteten von der Lage in ihren Betrieben.
17. April 2026Konjunkturbericht Frühjahr 2026
Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld hat die Ergebnisse ihrer Frühjahrs-Konjunkturumfrage vorgestellt. Obwohl sich das ostwestfälisch-lippische Handwerk im weiterhin stagnierenden gesamtwirtschaftlichen Umfeld widerstandsfähig zeigt, demonstriert die andauernde konjunkturelle Seitwärtsbewegung, dass das regionale Handwerk den Glauben an eine baldige Verbesserung der Rahmenbedingungen verloren hat. Die im Herbst 2025 erhofften Wachstumsimpulse sind ausgeblieben. Die massiv gestiegenen Energiepreise lassen die vorhandene Unsicherheit weiter wachsen.
Trotz dieser großen Unsicherheit bewerten immer noch 40 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 44 Prozent als befriedigend und nur 16 Prozent als schlecht. Der Geschäftsklimaindex liegt damit bei 112 Punkten, einen Punkt unter dem Wert aus dem Herbst 2025.
„Das Handwerk in Ostwestfalen-Lippe hält sich auch unter schwierigsten Rahmenbedingungen weiterhin stabil. Damit es endlich wieder einen Aufschwung gibt, braucht es zweierlei: einerseits vertrauensbildende Maßnahmen im Bereich der Wirtschaftspolitik seitens der Bundespolitik und andererseits spürbare Entlastungen bei den stark gestiegenen Energiepreisen“, erklärte Peter Eul, Präsident der Handwerkskammer OWL.
Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, wies darauf hin, dass die Energiepreise mit der Sperrung der Straße von Hormus nicht so sprunghaft gestiegen seien wie zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022, doch lägen diese jetzt bereits seit über einem Monat auf bedenklich hohem Niveau. „Die Geschäftslage vieler Betriebe ist für den Moment ordentlich, aber die wirtschaftlichen Bremsklötze konnten über den Winter nicht wie erhofft gelöst werden. Die Investitionstätigkeit der Handwerksbetriebe ist inzwischen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Dies spiegelt wider, dass im regionalen Handwerk das Vertrauen in die Verlässlichkeit politischer Entscheidungen verlorengegangen ist“, sagte Dr. Jens Prager. Damit aus Stillstand wieder Wachstum werden kann, benötige es neben schneller Abhilfe bei den Energiepreisen weniger Bürokratie, verlässlichere Rahmenbedingungen und vor allem mehr Tempo bei politischen Entscheidungen. „Reformen wie die der Landesbauordnung stimmen mich hoffnungsfroh, doch diese müssten jetzt auch in entsprechendes Verwaltungshandeln übersetzt werden, damit die positiven Wirkungen zügig bei den Betrieben ankommen“, fordert Dr. Jens Prager.
Hoffnung auf Wachstumsimpulse liefert in den kommenden Monaten insbesondere das Infrastruktur-Sondervermögen der Bundesregierung. Aufgrund der fragilen Gesamtkonjunktur fallen die erwarteten Wachstumsimpulse jedoch deutlich geringer aus als erhofft und sorgen somit eher für Stabilität anstatt für Wachstum. In OWL erwarten 57 Prozent der Betriebe für die kommenden Monate eine unveränderte Geschäftsentwicklung. 22 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 21 Prozent mit einer Verschlechterung. Besonders stabil zeigen sich Bauhaupt- und Ausbaugewerbe sowie die Handwerke für den gewerblichen Bedarf und das Kraftfahrzeuggewerbe. Dagegen bleibt das Lebensmittelgewerbe deutlich unter Druck und ist mit einem Geschäftsklimaindex von 82 Punkten nach einer kurzen Erholungsphase im Herbst 2025 die einzige Gewerbegruppe im negativen Bereich. Auch das Gesundheitsgewerbe und die Handwerke für den privaten Bedarf melden eine eingetrübte, wenngleich weiter positive Lage.
Besonders deutlich wird die derzeitige Zurückhaltung bei den Investitionen. Nur 17 Prozent der Betriebe planen in den kommenden sechs Monaten höhere Investitionen, 34 Prozent rechnen hingegen mit einem Rückgang. Ähnliches gilt für den Arbeitsmarkt. Zwar meldet das Handwerk derzeit knapp 12.250 offene Stellen, doch rechnen 76 Prozent der Betriebe mit einer unveränderten Beschäftigtenzahl. Nur 12 Prozent gehen von einem Personalaufbau und 11 Prozent von einem Personalabbau aus. Damit stehen die Zeichen im regionalen Handwerk weiter auf Stagnation und Wachstumsimpulse werden dringend gebraucht.