Gruppenbild in der Backstube Lamm
HWK OWL
Besuch der Backstube der Bielefelder Bäckerei Lamm: (v. l.) Patrick Lamm, Kerstin Naumann, Handwerkskammer OWL, Daniel Laidin, Präsident, Maximilian Gloth, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer OWL, Austausch-Auszubildender Theo Briard, Marc-Philip Lamm, Karsten Lamm, Carl-Christian Goll, Handwerkskammer OWL, Frédéric Brangeon, Präsident, Chantal Goichon, Vizepräsidentin, Frédéric Souton, Vorstandsmitglied

02. April 2026Lebensmittelhandwerk in Frankreich und in Deutschland

Eine hochrangige Delegation der beiden französischen Partnerkammern besuchte die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. Schwerpunkt des Besuchs war ein Fachaustausch über die Situation im Lebensmittelhandwerk. Begleitet wurde die Delegation von drei Auszubildenden im Bäckerhandwerk und vier Auszubildenden im Kfz-Handwerk, die Kurzpraktika in regionalen Handwerksbetrieben absolvierten.

„Gerade in Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, dass wir in Europa – und darüber hinaus – vertrauensvoll zusammenarbeiten, Freundschaften pflegen, offen miteinander sprechen und voneinander lernen“, begrüßte Peter Eul seine Präsidentenkollegen Frédéric Brangeon, Präsident der Handwerkskammer Loire-Atlantique und Präsident des Bäcker- und Konditoren-Verbandes Loire-Atlantique, und Daniel Laidin, Präsident der Handwerkskammer der Vendée, sowie Chantal Goichon, Vizepräsidentin der Handwerkskammer der Vendée, und Frédéric Souton, Vorstandsmitglied der Kammer Loire-Atlantique. Die beiden ebenfalls ehrenamtlichen französischen Kammerpräsidenten sind Bäcker- und Konditormeister, und Frédéric Souton ist Fleischermeister und Caterer. Die Vizepräsidentin und Friseurmeisterin Goichon kennt Bielefeld, weil sie vor 40 Jahren genau dort ein Praktikum in dem renommierten Brackweder Friseursalon Gotzmann absolviert hat.

Eine herausfordernde weltpolitische Situation, unabsehbare Kosten, Fachkräftemangel und zu wenige Auszubildende sowie ein verändertes Kundenverhalten – das waren einige der Themen des Fachgesprächs im Campus Handwerk unter der Leitung von Mickel Biere, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer, Kreishandwerksmeister in Paderborn-Lippe und Obermeister der Bäcker- und Fleischer-Innung Paderborn-Lippe. Gemeinsam mit seinen Obermeisterkollegen aus dem Bäckerhandwerk, Arno Simon, Axel Glasenapp sowie Karsten und Marc-Philip Lamm, konnte er erfreulicherweise über leicht steigende Ausbildungszahlen im Bäckerhandwerk berichten. „Im Jahr 2025 haben sich in Ostwestfalen-Lippe 49 junge Menschen für unseren Beruf entschieden“, berichtete Biere, elf mehr als im Jahr davor.

Da sowohl in Deutschland als auch in Frankreich viele Kundinnen und Kunden gesundheitsbewusster einkaufen, setzen sowohl die französischen als auch die deutschen Kollegen auf lange Teigführungen, also genügend Zeit für den Teig, um aufzugehen. Dadurch ist das Brot besser verträglich und unterscheidet sich vom schneller hergestellten Industriebrot. Während in Deutschland die meisten Bäckermeisterinnen und -meister mehrere Filialen unterhalten, damit die Produktion effektiv betrieben werden kann, darf sich in Frankreich eine Bäckerei nur dann als handwerklich bezeichnen, wenn direkt vor Ort produziert wird. Daher sind die Betriebsgrößen dort deutlich kleiner. „Warum setzt sich in Deutschland das Baguette nicht durch?“, fragten die beiden Präsidenten. Die Begründung der Obermeister: Reine Weizenbrote sind in Deutschland weniger gefragt. Die Fachtagung wurde ergänzt durch Betriebsbesuche in der Bielefelder Traditionsbäckerei Lamm GmbH, der Gütersloher Bäckerei Glasenapp und der Bielefelder Fleischerei Münch.

Des Weiteren erfolgte ein Besuch der Beresa GmbH & Co. KG in Bielefeld. Dort absolvierte die französische Auszubildende Zoe Leconte im Karosseriebauer-Handwerk ihr Praktikum. Weitere Betriebe, die Auszubildende aufgenommen haben, sind: WM Automobile GmbH in Bielefeld, Florenz Lohöfener, Bielefeld, und die Werkstatt Frank Ackermann in Steinhagen sowie die Bäckerei Lamm GmbH in Bielefeld, die Bäckerei Wölke in Schloß-Holte-Stukenbrock und die Bäckerei Glasenapp in Gütersloh. Im nächsten Jahr erhalten deutsche Auszubildende die Möglichkeit, nach Frankreich zu reisen und dort Berufserfahrungen zu sammeln.