Thomas F. Starke/ HWK OWL
Dr. Jens Prager (v. l.), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, Karsten Lamm, Obermeister der Bäcker-Innung Bielefeld und Kammerpräsident Peter Eul haben den Konjunkturbericht des OWL-Handwerks vorgestellt. Karsten Lamm gab in seiner Filiale detaillierte Einblicke in das Bäckereihandwerk.

8. Oktober 2026Wachstumsimpulse dringend gesucht

Das Handwerk in Ostwestfalen-Lippe behauptet sich in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld, ein Aufschwung ist jedoch weiterhin nicht erkennbar. Das zeigt die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld. Hohe Energie-, Rohstoff- und Personalkosten, eine schwache Investitionstätigkeit sowie eine verhaltene Konsumnachfrage belasten die Betriebe. Die Handwerkskammer fordert daher weitere Entlastungen, weniger Bürokratie und stärkere Investitionsanreize.

Trotz der angespannten Rahmenbedingungen bewerten 43 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 41 Prozent als befriedigend und 16 Prozent als schlecht. Der Geschäftsklimaindex liegt bei 109 Punkten und damit drei Punkte unter dem Wert aus dem Frühjahr 2026. Zugleich verharrt das Investitionsklima auf seinem historischen Tiefststand aus dem Frühjahr. Für die kommenden Monate überwiegt die Erwartung einer Seitwärtsbewegung. „Das Handwerk in Ostwestfalen-Lippe hält sich weiterhin stabil, doch die Tendenz zeigt leicht nach unten. Die Alarmsignale sind insbesondere mit Blick auf die Energie- und Rohstoffpreise nicht zu übersehen. Die Aussicht auf weiter steigende Verbraucherpreise und fehlende Investitionsanreize verursacht in vielen Betrieben tiefe Sorgenfalten“, erklärt Kammerpräsident Peter Eul.

Bereits im Frühjahrs-Konjunkturbericht hatte die Handwerkskammer steigende Energiepreise als ein wesentliches Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2026 benannt. „In den vergangenen Monaten sind insbesondere die Preise für fossile Energien weiter gestiegen. Für viele Betriebe und deren Beschäftigte bedeutet das weiterhin zusätzliche Belastungen“, sagt Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld.

Das zeigt auch eine Sonderfrage zu den gestiegenen Spritpreisen, die im Rahmen der Konjunkturumfrage durchgeführt wurde. Gut 44 Prozent der Betriebe geben darin an, von den Spritpreisen an den Tankstellen stark oder sogar sehr stark betroffen zu sein. Vielen bleibt nichts anderes übrig, als die Mehrkosten zu Lasten des Umsatzes selbst zu tragen oder sie an ihre Kunden weiterzugeben. Über die Hälfte der Handwerksbetriebe gibt an, dass vor allem geringere Steuern auf Kraftstoffe und Entlastungen bei anderen betrieblichen Energie- und Nebenkosten am stärksten entlasten würden. Die Belastungen entstehen hierbei nicht immer nur direkt an den Zapfsäulen, sondern auch indirekt durch steigende Lieferpauschalen im Großhandel und in der Logistik sowie durch Entlastungsangebote an Mitarbeitende, die auf ihrem Arbeitsweg von den hohen Spritpreiskosten betroffen sind. Um die ohnehin seit langem stockende Binnenkonjunktur nicht noch weiter zu belasten, müssen darum schnelle politische Entlastungen auf den Weg gebracht werden. Die Senkung der Energiesteuer seit dem 1. Oktober ist ein richtiger erster Schritt, reicht in der hochdynamischen Preisentwicklung jedoch nicht aus. „Hier muss politisch dringend gegengesteuert werden, um ein weiteres Abrutschen der Konjunktur zu verhindern. Stärker noch als im Frühjahr ist das Handwerk auf Entlastungen bei den Energie- und Rohstoffkosten, weniger Bürokratie und verlässliche Investitionsanreize angewiesen. Auch höhere Steuerfreibeträge von Sachbezugswerten für Mitarbeitende können für Entlastung sorgen. Nicht bloß auf Zeit, sondern dauerhaft, damit eine wirtschaftliche Preiskalkulation wieder möglich wird“, betont Prager.

Das betrifft aus Sicht des Handwerks auch das absehbar nachlassende Konsumverhalten durch erhöhte Preisbelastungen der Privathaushalte. Bereits jetzt liegt die Inflationsrate in Deutschland bei über drei Prozent.

Stabilisierende Effekte erwartet die Handwerkskammer insbesondere von öffentlichen Infrastrukturinvestitionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität von Bund und Ländern. Anstatt des erhofften Aufschwungs verhindert das Sondervermögen aus Sicht des OWL-Handwerks bislang jedoch vornehmlich ein weiteres Abrutschen der Konjunktur. Positive Tendenzen zeigen sich in der aktuellen Umfrage im Gesundheitsgewerbe und bei den Handwerken für den privaten Bedarf. Die übrigen Gewerbegruppen haben dagegen an Dynamik verloren. Für die kommenden sechs Monate rechnen lediglich 17 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. 60 Prozent erwarten keine Veränderung, 23 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Gleichzeitig rechnen 47 Prozent mit steigenden Preisen. 35 Prozent der Betriebe wollen ihre Investitionen zurückfahren. Auch am Arbeitsmarkt zeichnet sich keine stärkere Dynamik ab. Zwar meldet das Handwerk derzeit knapp 14.100 offene Stellen, für die kommenden Monate rechnen jedoch 73 Prozent der Betriebe mit einer unveränderten Beschäftigtenzahl. Zwölf Prozent erwarten einen Personalaufbau, 15 Prozent einen Rückgang der Beschäftigung. Damit wird deutlich, dass das Handwerk großen Wert darauf legt, seine Fachkräfte zu halten. Auch ohne Vollauslastung kommen Einsparungen am Personal für die große Mehrheit der Betriebe nicht infrage.

„Die Betriebe zeigen weiterhin große Widerstandsfähigkeit. Dauerhafte Stagnation darf aber nicht zum Normalzustand werden. Das Handwerk braucht Rahmenbedingungen, die Investitionen wieder attraktiver machen und Wachstum ermöglichen“, fasst Prager die Ergebnisse zusammen.