Stopka und Eul bei Übergabe Ehrenmeisterbrief
Michael Diekmann
Handwerkskammerpräsident Peter Eul überreicht den besonderen Meisterbrief an Ottfried Stopka (r.).

4. Dezember 2025Eiserner Meisterbrief für Jaguar-Legende Ottfried Stopka

Die außergewöhnliche Urkunde für einen außergewöhnlichen Handwerksmeister hat Kammerpräsident Peter Eul an Ottfried Stopka (88) persönlich übergeben. „Einen eisernen Meisterbrief gibt es nur ganz selten“, unterstreicht Eul. „Der steht für 65 Jahre meisterliches Handwerk, menschliche Stärke und unternehmerischen Mut.“ Vor 65 Jahren, im April 1960, hatte der Kraftfahrzeugmechaniker seine Meisterprüfung abgelegt und sich noch im selben Jahr im Bielefelder Ortsteil Hillegossen selbstständig gemacht mit einer kleinen Werkstatt. Ihren Ehrenplatz bekommt die Urkunde neben dem „Goldenen“ und „Diamantenen“ in Stopkas kleinem Büro an seinem Alterssitz in Oerlinghausen. Ganz ohne Büro, verrät er augenzwinkernd, geht es auch mit 88 Jahren nicht. Und mindestens zwei Mal pro Woche geht es mit dem Auto in die Firma – immer von hinten durch die Werkstatt. Sehen was los ist.

Das Lebenswerk des Handwerksmeisters, davon ist Peter Eul überzeugt, reicht weit über den Kammerbezirk hinaus. Gas gegeben hatte der junge Mann in seinem Beruf nicht erst vom ersten Tag an. Schon der Weg in die Lehre und die Meisterschule war gezeichnet von erheblichen persönlichen Anstrengungen. Es war die Zeit kurz nach Kriegsende. Stopka erzählt von der Flucht aus Ostpreußen, im Pferdekarren über die eisige Ostsee, den Tod der Mutter, den Verlust der Geschwister. Stopka erzählt von den ersten vorsichtigen Anfängen in seinem späteren Beruf, der zu seinem großen Glücksgriff wird. Mit nächtelangen Arbeiten als Schweißer verdient er sich das Geld für die Ausbildung. Er habe, sagt er stolz, immer Freunde gefunden, die ihm halfen auf dem Weg nach vorn. Stopka ist Kfz-Meister mit Herzblut. Und englische Autos werden sein Glücksgriff.

Sein kleines Team in Hillegossen kennt sich aus mit den Autos von der Insel. Von MG und Rover bis zu Mini und Leyland „schraubt“ Stopka alles, was ihm englische Soldaten auf den Hof stellen. Mit seiner Kompetenz für die Nobelmarke Jaguar wird er deren Dienstältester Händler in Deutschland, mehrfach ausgezeichnet für seine außergewöhnliche Kundennähe. Einzigartig ist wohl, dass er in seiner Verbundenheit für das Königreich in der Zeit des Brexit einen Brief an Elisabeth II. schreibt und prompt Antwort aus Windsor bekommt. Ach ja, ihre Tochter, Prinzessin Anne, hatte er als junger Kfz-Meister dereinst samt dem gestrandeten Landrover von der Autobahn geborgen.

Sein „Leben am Limit“, wie es selbst in einem Buch mit Rainer Toppmöller zusammengefasst hat und später mit Videosequenzen von David Blath als Film auf die Spule brachte, führte Stopka bei Bergrennen auf die Rennstrecke, ließ ihn als Privatflieger in die Luft gehen und 1980 mit seinem Neubau an der Detmolder Straße Zeichen setzen. Stopka kümmerte sich um Ferrari und Aston Martin, Alfa Romeo und Land Rover. Und sie selbst, erzählt Präsident Peter Eul, hätten sich als Kinder sonntags die Nasen an den Schaufenstern platt gedrückt und die Traumwagen bestaunt. Stopka hat die Glanzzeiten der Bielefelder Autowelt erlebt, aber auch den massiven Strukturwandel.

Sein Leben für Mut, Tatkraft und Begeisterung mit Können, Verantwortung und Herzblut lebt Stopka auch mit 88 Jahren täglich mit Vollgas. Erst mit 70 Jahren hat er seine unternehmerischen Weichen neu gestellt. Sein Autohaus ist heute ein Teil der Nagel-Gruppe. Sein Lebenswerk, versichert der Jubilar, sehe er bei Rolf Nagel in guten Händen. Sohn Alexander Stopka ist heute Gesellschafter. Und der Jubilar im „Unruhestand“ hat erst vor zehn Jahren Schach gelernt. Und steht heute jede Woche am Brett. Das hält genauso fit wie eine Ausfahrt mit seinem Jaguar-Oldtimer XK 150.





Kammerpräsident Peter Eul und Jubilar Ottfried Stopka mit dem seltenen Eisernen Meisterbrief neben dem Oldtimer Jaguar XK 150.
Michael Diekmann
Kammerpräsident Peter Eul und Jubilar Ottfried Stopka mit dem seltenen Eisernen Meisterbrief vor dem Oldtimer Jaguar XK 150.