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Standort- und Entwicklungssicherheit vielfach nicht gewährleistet

29.04.2021

Schon seit langem fordert das Handwerk mehr Flexibilisierung in den Verwaltungsstrukturen und den Abbau bürokratischer Hürden. Daher begrüßt die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld die Intention des neuen Regionalplanes, den Kommunen mehr Eigenverantwortung im Bereich Flächeninanspruchnahme zu übertragen. Dennoch gewährleisten die Planungen nach Auffassung der Handwerkskammer die Standort- und Entwicklungssicherung vieler Handwerksunternehmen nicht im ausreichenden Maße.

„Die 21.800 Handwerksbetriebe in der Region mit ihren rund 160.000 Beschäftigten leisten als ortsnahe Versorger der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen sowie als Industriezulieferer einen zentralen Beitrag zur wirtschaftlichen Prosperität der Region und bilden einen maßgeblichen Stabilitätsanker vor Ort“, erklärte Dr. Jens Prager, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer OWL.

„Eine positive Unternehmensentwicklung führt im Handwerk zwangsläufig zu wiederholten sukzessiven Standorterweiterungen, die in der Regel mit dem Aufbau zusätzlicher qualifizierter und zumeist ortsnaher Arbeits- und Ausbildungsplätze verbunden sind“, betonte Prager. Dieser vorausschauende Umgang mit der wertvollen Ressource Fläche dürfe aber im Umkehrschluss nicht zu Standortnachteilen führen.

Der von verschiedenen Seiten angeführte Flächenfraß durch die Wirtschaft ist nach Auffassung der Handwerkskammer nicht zu beobachten. „Ganz im Gegenteil: Die Unternehmerinnen und Unternehmer, gerade im Bereich des Handwerks, gehen verantwortlich mit diesen Flächen um. Handwerksbetriebe sind langlebig und verfolgen nachhaltige Geschäftsmodelle“, so Prager. Gerade das Handwerk denke in Generationen. Deshalb reiche der im Regionalplan vorgesehene Bestandsschutz für Handwerksbetriebe nicht aus.

Aufgrund gewachsener Strukturen liegen Standorte von Handwerksunternehmen oftmals nicht in ausgewiesenen Gewerbe- beziehungsweise Siedlungsgebieten. Insbesondere für diese Unternehmen fordert die Handwerkskammer nicht nur eine Standortsicherung, sondern vielmehr eine ausdrückliche Garantie für eine Entwicklungssicherheit am bestehenden Standort.

„Handwerksbetriebe brauchen zusätzlich einen Entwicklungsschutz, um sich auch in Zukunft am bestehenden Standort entwickeln zu können und nicht anderer Stelle Flächen zu verbrauchen“, ergänzte Prager. Dies wäre weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Das Handwerk stehe für einen nachhaltigen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen. Standorterweiterungen würden grundsätzlich auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt. Nicht zuletzt leisten die in der Region verwurzelten Unternehmen durch eine ortsnahe Liefer- und Wertschöpfungskette einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Das Handwerk muss daher auch zukünftig dezentrale Standorte weiterentwickeln können.

Zur Verbesserung der Flächennutzung und Nutzungsverdichtung soll nach Auffassung der Handwerkskammer auch das innerstädtisches Gewerbe nachhaltig gestärkt werden. Eine Funktionsmischung von Gewerbe und Wohnen gilt als wichtiges Element einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Stadtentwicklung und einer Stadt der kurzen Wege. Als Modellregion hat OWL bereits mehrfach mit seiner hohen Innovationskraft überzeugen können. Die Handwerkskammer schlägt daher vor, flankierend zur Regionalplanung eine gezielte Anpassung der Baunutzungsverordnung anzustreben. Die zur Verfügung stehenden gemischten Baugebiete entwickeln sich leider allzu häufig in den Dienstleistungssektor hinein. Ein Steuerungsinstrument zur kleingewerblichen und Wohnnutzung sei daher eine ideale Ergänzung der bestehenden Verordnungen.

Vor dem Hintergrund der Flächenknappheit und des verantwortungsvollen Umgangs mit diesem Gut, müssen auch Kompensationsmaßnahmen zielgerichteter umgesetzt werden. Die Handwerkskammer regt daher die Schaffung einer Öko-Flächenagentur für OWL an. Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen bereits seit langem sehr gute Erfahrungen auf diesem Gebiet. Über ein Modell zum Sammeln von Öko-Punkten zur Kompensation von Baumaßnahmen könnten umweltrelevante Projekte zielgerichtet gefördert und zeitnah umgesetzt werden. Auch ein solches Modell könnte im Rahmen der Modellregion OWL verwirklicht werden.